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Logopädische Praxis Potsdamer Chaussee 80, 14129 Berlin-ZehlendorfTelefon: 030 / 322 94 090 |
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Aphasie |
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Bei einer Aphasie handelt es sich um Sprachstörungen, die sich in den Bereichen Sprechen, Verstehen, Schreiben und Lesen zeigen können. Sie ist hingegen keine Sprachstörung aufgrund von Schwerhörigkeit, geistiger Verwirrung, einer Lähmung der Zunge oder der Stimmlippen. Die häufigsten Ursachen sind:
- Schlaganfall
- Hirnblutung
- Schädel-Hirn-Trauma
- Hirntumor
[Logopädische Diagnostik] Als logopädischer Standardtest gilt der sogenannte „Aachener-Aphasie-Test“ (AAT), mit Hilfe dessen festgestellt werden kann, ob es sich um eine Aphasie oder eine isolierte Störung handelt. Hierdurch kann ferner auch eine Zuordnung zu einer bestimmten Aphasieform (Standardsyndrom) stattfinden sowie deren Schweregrad bestimmt werden. Nach Auswertung des Tests kann der Untersuchende erkennen, wie stark die einzelnen Bereiche der Sprache des Patienten betroffen sind. [Verlaufsphasen] In der ersten Phase, der sog. Akutphase, sind die Störungen sehr ausgeprägt. Die Patienten sind oft nicht in der Lage, Sprache zu verstehen oder sich sprachlich zu äußern. In der zweiten Phase, der stabilen Phase, festigt sich der Allgemeinzustand des Patienten, sodass die sprachlichen Störungen eindeutiger einer Aphasieform zuzuordnen sind. Beschreibung der einzelnen Aphasieformen: [Globale Aphasie] Die Patienten verfügen über einen sehr geringen Wortschatz. Das Sprechen ist im Wesentlichen aufgehoben. Wenige Wörter sind möglich (1 bis 2 Silben), allerdings können sie von den Patienten nicht sinnvoll eingesetzt werden. Mitunter werden diese Wortteile stetig wiederholt. Man nennt dies Automatismen. Die Mitteilungsabsicht des Patienten lässt sich jedoch an der Tonhöhe und Sprachmelodie erkennen. Das Verstehen von Sprache ist bei Global-Aphasikern stark gestört. Beispiel:Untersucher: „Was ist am Sonntag passiert?“Patient: „....,.... gut... mein Gott... gut gut ... ... guten Tag ...“ [Broca- Aphasie] Ein Patient mit diesem Störungsbild spricht mit großer Anstrengung und vielen Pausen. Das Sprechen ist deutlich verlangsamt und die Artikulation häufig schlecht. Das Sprechen weist viele Lautvertauschungen auf. Die Satzstruktur reduziert sich auf Ein- bis Zweiwortsätze, was auch als Telegrammstil bezeichnet wird. Bei Broca-Aphasikern ist zudem das Verstehen von Sprache beeinträchtigt. Beispiel:Untersucher: „Was ist am Sonntag passiert?“Patient: „Sonntag ... essen... Flau... Flau... nein Frau und Linder... zusammen...alle... Ein...Ein...Eis... etzen.“ [Wernicke- Aphasie] Die Betroffenen sprechen flüssig und deutlich, aber sie verwechseln dabei sehr häufig Laute und Wörter. Ihre Sätze sind sehr lang und oft ineinander verschränkt oder Satzteile werden doppelt eingesetzt. Durch dieses Phänomen wird die Aussage meist sinnlos. Ein weiteres Merkmal der Wernicke-Aphasie ist ein ungehemmter Redefluss. Die Patienten reden ohne Unterlass und lassen sich nur sehr schwer bremsen. In schweren Fällen kann das Gesagte nicht mehr erraten werden, da zu viele Laute verwechselt und/oder zu viele Wörter vertauscht werden. Das Verstehen von Sprache sowie das Erkennen der eigenen Fehler ist in solchen Fällen ebenfalls stark gestört. Beispiel:Untersucher: „ Was ist am Sonntag passiert?“Patient: „ Ja als Bonntag sindie gegangen und da hattense doch die waren doch noch da ... . Sindse gut gewesen waren die Schwister hatten auch ein Eis ... hatten die.“ [Amnestische Aphasie] Hier ist das Sprechen flüssig und deutlich und das Verstehen von Sprache kaum gestört. Die Patienten haben jedoch erhebliche Probleme mit der Wortfindung. Entweder fällt ihnen ein Wort gar nicht ein, sodass sie es durch ein oft unpassendes ersetzen, oder es „liegt“ ihnen „auf der Zunge“. Folgen der Wortfindungsstörungen sind Satzabbrüche, ein unterbrochener Redefluss, Wortvertauschungen oder die Ersetzung eines Wortes durch ein anderes mit mehr oder weniger ähnlicher Bedeutung. Beispiel:Untersucher: „ Was ist am Sonntag passiert?“Patient: „Ja also am ... ähm Dings äh Sonntag war ich ... waren wir dort im ... na Sie wissen schon ... in ... na ... in ... na wo`s was zum Essen gibt ... verstehen Sie? ... na in dem ... Dings war ich mit meiner Schwester (er meint „Frau“ ) und den Kindern ... Dann waren wir alle Eis essen.“ Im Rahmen einer Aphasie kann es auch zu Störungen des Lesens (Alexie), des Schreibens (Agraphie) oder einer Störung im Umgang mit Zahlen (Akalkulie) kommen. Diese Störungsbilder kommen aber auch isoliert, also unabhängig von einer Aphasie vor. [Sonderformen] Leitungsaphasie, Transkortikale Aphasie. Die anglo-amerikanische Literatur unterteilt in flüssige und nichtflüssige Aphasien. BegleitsymptomeStörungen der Beweglichkeit und der Gefühlswahrnehmungen:
- des Sehens
- des Gedächtnisses
- der Aufmerksamkeit
- der Orientierung
- der Wahrnehmung
Therapie 1. Ziele In der logopädischen Therapie geht es zum einen um die Verbesserung einzelner sprachlicher Funktionen (Wortfindung, Satzbildung, Lesen, Schreiben u. a.). Zum anderen soll der Patient lernen, wie er verbleibende Funktionsausfälle ausgleichen bzw. mit ihnen umgehen kann. Letztendlich wird der Patient angeleitet, das Erlernte auch tatsächlich in den Alltag zu übertragen. 2. Therapieverlauf
- Aktivierungsphase: Unterstützung spontaner Rückbildungsmechanismen und Verhinderung pathologischer Verhaltensmuster (z. B. Automatismen, ungehemmter Redefluss)
- störungsspezifische Übungsphase: erstreckt sich über die ersten zwei Jahre, gezielte Behandlung der sprachlichen Beeinträchtigungen
- Konsolidierungsphase: Übertragung der sprachlichen Fähigkeiten in den Alltag
3. Therapiebeispiele: Aktivierung erster Äußerungen
- Stimulierung von Wörtern der Zustimmung: („ja“, „nein“)
- Stimulierung von Höflichkeitsfloskeln: ( „Danke“, „Bitte“)
- Aufzählen der Wochentage
- Ergänzung von Wortpaaren: („Messer und ...“)
- Ergänzung von Redewendungen: („Der Apfel fällt nicht weit vom ... )
Verbesserung des Sprachverständnisses Wortebene:
- Der Therapeut nennt einen Begriff, den der Patient auf einer Seite mit mehreren Bildern zeigen soll: Apfel- Banane- Kaffee- Uhr; „zeigen Sie mir den Apfel.“
- Dem Patienten werden z. B. 4 Bilder vorgelegt und er sucht heraus, welche zusammenpassen bzw. welches Wort nicht in die Gruppe gehört: Messer- Gabel- Uhr- Löffel.
Satzebene:
- Der Patient soll einen Satz dem passenden Bild zuordnen.
- Der Therapeut gibt dem Patienten Aufträge: „Öffnen Sie bitte das Fenster.“
Verbesserung der Wortfindung
- Der Patient soll zu einem bestimmten Oberbegriff ein untergeordnetes Wort finden: „Nennen Sie ein Möbelstück.“
- Der Patient soll mehrere Wörter zu einem Oberbegriff finden: „Nennen Sie möglichst viele Obstsorten.“
- Der Patient soll das Gegenteil zu einem Begriff finden.
- Der Patient soll zu einem Begriff möglichst viele Tätigkeiten finden: „Was kann man alles mit einer Kartoffel tun?“
Verbesserung der Satzbildung
- Der Patient soll beurteilen, ob ein Satz korrekt ist, oder nicht: „Der Briefträger beißt den Hund.“
- Der Patient soll mit Hilfe von verschiedenen Farben die Satzteile bestimmen: Subjekt = rot unterstreichen, Verb = gelb unterstreichen, Objekt = grün unterstreichen).
Umgang mit Aphasikern
- Akzeptanz der bestehenden Einschränkungen und Nutzen der verbliebenen Fähigkeiten,
- nie in Gegenwart des Partners über ihn sprechen, sondern ihn miteinbeziehen,
- Erleichterung der Kommunikation durch den Einsatz von Gestik, Mimik, Bildern oder Schriftsprache,
- Wortwahl und Satzstruktur an sprachliche Möglichkeiten des Aphasikers anpassen (kurze, aber vollständige Sätze),
- Blickkontakt herstellen und halten,
- möglichst ruhige Gesprächsatmosphäre schaffen,
- Geduld aufbringen ,
- Hinweise an andere Personen (v . a. Familie, Freunde) zu den Schwierigkeiten und Verhaltensweisen geben
Denise Roy, Logoreflex GmbH denise.roy@logoreflex.de unter Verwendung folgender Quellen:
- Aphasie, Wege aus dem Sprachdschungel von M. Schöler, H. Grötzbach, Springer-Verlag
- Ratgeber Sprachtherapie von F. Schwarz, R. Scheel, U. Joram, Fachklinik Ichenhausen
- Sprach-, Sprech-, Stimm-, und Schluckstörungen, Bd. 2, von G. Böhme, Fischer-Verlag
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